Pressestimmen

Cantus Missae-Konzert am 17. Juli 2011 in Freiburg, Badische Zeitung, 21. Juli 2011

Die Kunst der Emotion

Freiburg: Studentenkantorei mit „Cantus Missae“.

„Messgesänge“ bot die Evangelische Studentenkantorei in ihrem Semesterabschlusskonzert in der Freiburger Christuskirche. Hinterm schlichten Titel verbarg sich nicht nur Josef Rheinbergers doppelchörige Messe op. 109 mit eben jenem Titel (lateinisch: „Cantus Missae“). Dem liturgischen Ablauf korrespondierend, wurde sie von Orgelwerken Bachs und Rheinbergers durchbrochen, während die eingestreuten „Sechs Sprüche“ op. 79 von Mendelssohn die Dimension aufs ganze Kirchenjahr öffneten. Auch inhaltlich war nicht bloßer Gesang zu hören, sondern feinste Chorkultur.

Zwar ist die Studentenkantorei keine Profi-Formation – kritisch gespitzte Ohren könnten den einen oder anderen Beleg liefern. Dass sich das Ensemble musikalisch weit jenseits dessen bewegt, was im Wort Laienchor mitschwingt, dürfte indes bekannt sein. Schon die ersten Töne zeigten das: Aus dem Piano heraus entwickelte sich die Linie anfangs von Mendelssohns „Zum Neujahrstage“, wuchs zum Forte, sank wieder zurück ins Piano – ein erster, runder Bogen. Zugleich vorausweisend auf die Charakteristika des ganzen Abends: scheinbar mühelos sichere Phrasierung und differenzierte, ganz im Dienst der musikalischen Aussage stehende Klangentfaltung.

Wie genau dabei das Zusammenspiel von Florian Cramers Dirigat und den Musikern war, zeigte ein Detail am Ende desselben Stücks: Auf das kleinste Auf und Nieder von Cramers Hand reagierten die Tenöre, als es galt, ihre Dur-Terz in den leise schwebenden Grundton-Quint-Rahmen des übrigen Chors einzupassen.

Die Doppelchörigkeit kam dann in Bachs „Ich lasse dich nicht“ mit dem Gegeneinander von Choralmelodie und präzis skandierten Figurationen deutlicher zum Tragen, namentlich aber in Rheinbergers Messvertonung. Nochmals war hier insbesondere die höchst bewusste, zugleich emotional erfüllte Kunst der Anfänge und Schlüsse, des Ent- und Einfaltens zu bewundern. Dazwischen wurde interpretatorisch so klar wie eingängig und – wörtlich wie übertragen – mit langem Atem gestaltet. Hae-Kyung Jung steuerte an der Orgel zwei Choralbearbeitungen Bachs und ein Intermezzo aus einer Orgelsonate Josef Rheinbergers bei: charaktervoll registriert und aussagekräftig musiziert.

Gero Schreier