Pressestimmen

Elias-Konzert am 11. Februar 2012 in Freiburg/Schopfheim, Badische Zeitung, 17. Feb. 2012

Klangmächtig und doch transparent

Die Evangelische Studentenkantorei Freiburg und das Ars Viva Ensemble führten in Schopfheim Mendelssohn Bartholdys „Elias“ auf

„Einen rechten Propheten“ habe er sich beim Elias gedacht, schrieb Felix Mendelssohn Bartholdy in einem Brief, „stark, eifrig, auch wohl bös und zornig und finster, … und doch getragen wie von Engelsflügeln“. Diese schillernde Prophetengestalt aus dem Alten Testament steht im Mittelpunkt von Mendelssohn Bartholdys Oratorium „Elias“, das in einer klangmächtigen Aufführung der Evangelischen Studentenkantorei Freiburg und des Ars Viva Ensembles unter Leitung von Florian Cramer in der evangelischen Stadtkirche Schopfheim erklang.

Wie nun gestaltet man eine so vielschichtige Figur, die in diesem Oratorium so unterschiedlich in Erscheinung tritt: als Wundertäter, der durch die Kraft des Gebets ein Kind wieder zum Leben erweckt und dem ausgedorrten Land Regen bringt, aber auch als besessener Prophet und streitbarer Kämpfer, der im Spannungsfeld der Religionen steht. Neben den großartigen Chorpassagen, die von den jungen Sängerinnen und Sängern imponierend gemeistert wurden, ist es der Sänger des Elias, der das Hauptgewicht der Aufführung trägt.

In Schopfheim erlebte man in der Titelpartie den stimmmächtigen Bassisten Wolf Matthias Friedrich, der kurzfristig für Markus Flaig eingesprungen war. Es hatte drei Umbesetzungen bei den Vokalsolisten und am Pult der Konzertmeisterin gegeben, umso bewundernswerter war die Leistung der Künstler in den tragenden Partien. Friedrich gibt mit der weit in den Kirchenraum tragenden Kraft, dunklen Tiefe und Festigkeit seines Basses einen eindrücklichen Elias. Im Wettstreit mit den Priestern des Baal verleiht er seinen Arien Macht, Wucht und Feuer. Aber er kann seine Stimme auch sehr zurücknehmen wie im schlichten Arioso und in der Arie „Es ist genug“, die er mit lyrischer Innigkeit singt.

So wie die Titelfigur Kontur bekam, so lotete Dirigent Cramer überzeugend die dynamische Spannweite im Chorklang aus: In den wild erregten Chören wie den Rufen des verzweifelten Volkes „Aber der Herr sieht es nicht“, in den dramatisch gesteigerten Szenen der Anrufung des Baal mit dem gewaltigen „Das Feuer fiel herab! Feuer!“ entfesselt Cramer mit seiner Studentenkantorei eine großartige Wirkung. Bei aller Fülle und Steigerungsdramatik achtete Cramer aber auch auf Transparenz und Beweglichkeit der hervorragend einstudierten Chorstimmen.

Neben den spannungsvoll beschworenen Darstellungen von Naturgewalten, Dürre, Wasserfluten, Sturm und Feuer kamen auch die Gefühlswärme und romantische Religiosität schön zum Tragen. So entfalteten sich in dem Engel-Quartett, im Terzett der drei Engel und im Quartett der Seraphim, von der Kanzel herab gesungen, Momente von lichter Schönheit.

Cramer konnte sich auch auf hochklassige Solisten verlassen. Als glänzender Oratorientenor mit schlanker, kräftiger Stimme und makelloser Textverständlichkeit war Hans Jörg Mammel in den Arien und Rezitativen des Obadjah zu hören. Die Altistin Barbara Ostertag stattete ihre Engel-Rezitative mit wunderbarer Ausdruckswärme und beeindruckte in den Partien der Königin mit dramatischer Gestaltungskraft. Die Sopranistin Cornelia Samuelis – wie Friedrich kurzfristig eingesprungen – bezauberte in der Arie „Höre, Israel“ mit der Klarheit und lyrischen Intensität ihrer Stimme und gab der klagenden Witwe in den Szenen mit Elias glaubwürdigen Ausdruck von Schmerz und Verzweiflung. Bei der Schilderung des Regenwunders sang der Knabensopran Jan Jerlitschka glockenhell von der Kanzel herab.

Enormen Gewinn an Farbigkeit, dramatischer Ausmalung und fesselnder Anschaulichkeit bekam das biblische Geschehen durch das überaus lebendig und artikulatorisch prägnant spielende Ars Viva Ensemble auf historischem Instrumentarium.

Roswitha Frey