Pressestimmen

Schein & Krenek Konzert am 27. Juli 2014 in Freiburg, Badische Zeitung, 29. Juli 2014

Des Sommers Stunden

Die Studentenkantorei konzertierte in Freiburg.

Er ist fraglos einer der drei großen „Sch“ des Barockzeitalters, die da lauten: Schütz, Schein, Scheidt. Schon die Reihenfolge zeigt: Fast nur Heinrich Schütz besitzt heute noch öffentliche Reputation. Für das Programm “ . . . so sind des Sommers Stunden“ schickt sich die Evangelische Studentenkantorei Freiburg unter Leitung von Florian Cramer in der Freiburger Christuskirche an, dies zu ändern. Denn Johann Hermann Schein steht dem bekannteren Schütz qualitativ in nichts nach.

Die Studentenkantorei präsentiert einige Motetten aus Scheins „Israelsbrünnlein“ von 1623 – und versteht, worauf es ankommt: Textausdruck, Balance und Struktur in den Phrasierungen. Die Imitationen in „Herr, lass meine Klage“ etwa kommen glockenklar – trotz der Anzahl von 40 Chormitgliedern und einer zu Beginn noch zu dominanten Continuogruppe, die darauf aber in der Folge reagiert. Cramer weiß mit seinem sehr expliziten Dirigat den Chor immer in der Spur zu halten.

Mystisch ist’s im Frühling

Und die Kantorei hat die Präsenz, ihm zu folgen: Hier ein feines Crescendo in der Chromatik von „Die mit Tränen säen“, dort ein treibender, doch offener Tuttiklang in „Ach Herr, ach meiner schone“. Ganz besonders erhellend ist eine Situation dann in „O, Herr Jesu Christe“: Cramer fordert seine Kantorei bei „dein heilge Sakrament erhalt an diesem End“ noch nachzulegen – und bekommt volles Volumen, ohne dass das Ensemble zu sehr forcieren würde. Florian Cramer weiß, was wann passt – und die Abstimmung zwischen Dirigent und Chor ist höchst professionell.

Zwischen die beiden Schein-Blöcke und die sehr reflektierten solistischen Einlagen der Musiker der Continuogruppe (Sebastian Bausch, Robert Sagasser, Matthias Spaeter), schieben sich noch Ernst Kreneks „Jahreszeiten“. Auch diese Musiksprache des 20. Jahrhunderts wird von der Kantorei mit Leben ausgefüllt, auch hier ist Textausdeutung das A und O: mystisch ist’s im Frühling, bedrohlich im Herbst, frostig die Stimmung im Winter. Auch wenn hier und da die Spitzentöne etwas unsauber kommen, so ist die Leistung der Kantorei an diesem Abend doch beachtlich, der Gesamtklang sauber und ausgewogen. Und: Die sympathische Präsenz des Ensembles ist wirklich etwas Besonderes.

Fabian Ober

 


Zelenka-Konzert am 15. Februar 2014 in Schopfheim, Badische Zeitung, 17. Feb. 2014

Großartige Wiederbelebung

Die Studentenkantorei Freiburg in der Schopfheimer Stadtkirche.

Es müssen nicht immer Bach oder Händel sein. Die Barockzeit hat auch Meister hervorgebracht, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind und deren Werke man getrost mit denen ihrer populäreren Zeitgenossen vergleichen kann. Dazu zählt der böhmische Bach-Zeitgenosse Jan Dismas Zelenka, dessen „Missa votiva“ nun in einer begeisternden Aufführung der Evangelischen Studentenkantorei Freiburg unter Leitung von Florian Cramer in der Evangelischen Stadtkirche Schopfheim ihre gebührende Würdigung erfuhr.

Erfreulich, dass es so engagierte junge Chöre wie die Studentenkantorei gibt, die sich mit solcher Hingabe und Sorgfalt diesem noch immer vernachlässigten großen „Kirchen-Compositeur“ widmen. Zelenkas Missa votiva, die ihre Entstehung wohl einem Gelübde des Komponisten nach überstandener Krankheit verdankt, ist ein Glanzstück barocker Kirchenmusik. Als „Nummernmesse“ in 20 kleinere Abschnitte unterteilt, bietet sie den Interpreten wie Zuhörern ein äußerst vielfältiges und kontrastreiches Klangerlebnis von enormer stilistischer Bandbreite: Großartige, imposante Chöre, empfindsame Arien, bewegende Soli, strenge Kontrapunktik, religiöse Andächtigkeit, opernhafte Elemente und ein vitaler, konzertanter Stil finden sich nebeneinander in dieser sehr dankbaren, eingängigen und einnehmend zu hörenden Messe. Man versteht, warum sich Bach und Telemann bewundernd über Zelenka äußerten. Denn dieser erweist sich hier als erfindungsreicher, von religiösem Empfinden motivierter Komponist, der sein Lobpreis Gottes in wunderbar bewegte Klänge kleidet, sich dabei ebenso als hervorragender Kontrapunktiker empfiehlt denn als Kirchenkomponist von ganz eigenem hochexpressivem Ausdruck.

In der Studentenkantorei, dem Ars Viva Ensemble und den Vokalsolisten hatte man Interpreten, die Zelenkas abendfüllender Messe auf denkbar einfühlsamste, lebendigste Art, gesangs- und spieltechnisch auf sehr hohem Niveau gerecht wurden. Vor allem vom Chor wird durch Zelenkas Vokalstil enorme Flexibilität, Präzision, virtuose Stimmbeherrschung und feinste dynamische Differenzierung in den Steigerungen verlangt. Dem überaus motivierend dirigierenden Florian Cramer gelang es, die Chorpartien schlank, federnd, beweglich zu halten, einen Chorklang von pulsierender Lebendigkeit zu formen und seine jungen Sängerinnen und Sänger stets zu vorzüglicher Textdeutlichkeit anzuhalten. Es gibt Sätze von aufschwingender Chormacht und kühner Wirkung, dann wieder von schwebender Zartheit, und die Studentenkantorei überzeugt in allen Facetten durch ein klares, bewegtes, hervorragend durchgezeichnetes Singen. Ebenso dynamisch federnd, von warmem Klang ist das Spiel des Ars Viva Ensemble. Der rhythmisch prägnante Streicherklang, das feinfühlige Spiel von Oboen, Fagott und Laute bringt Zelenkas effektreiche und elegante Musik wunderbar zur Wirkung.

Vortrefflich das Quartett der Vokalsolisten: der höhensichere, reine und sehr anrührende Sopran von Heike Heilmann, die voller Wärme und Innigkeit singende Altistin Elvira Bill, der profunde, souveräne und im Timbre sehr wohlklingende Tenor Hans Jörg Mammel und der in Alter Musik geschulte Bass Ekkehard Abele bildeten ein sehr gut harmonierendes Solistenensemble. Sehr langer Beifall für diese großartige Zelenka-Wiederbelebung in Schopfheim.

Roswitha Frey