Pressestimmen

Jean Francaix Konzert am 15. Februar 2015 in Freiburg, Badische Zeitung, 17. Februar 2015

Luzider Klangzauber

Akademisches Orchester und Studentenkantorei in Freiburg.

Über den Rang von Studierenden-Ensembles sind beide Formationen längst hinausgewachsen: das Akademische Orchester (Aka) und die Evangelische Studentenkantorei (ESK). Mit Arthur Honeggers dritter Sinfonie und Jean Françaix’ „fantastischem“ Oratorium „L’Apocalypse selon St. Jean“ standen im Freiburger Konzerthaus unter Leitung von Hannes Reich keine Kleinkaliber auf dem Programm. Werke zudem, die bei allem ästhetischen Anspruch von einer Transparenz und Leichtigkeit sind, die man als Interpret erst einmal umsetzen muss. Orchester und Chor gelingt das über weite Strecken glänzend.

Zugegeben: Der dumpf gewitternde erste Satz aus Honeggers Sinfonie wirkt noch etwas konturlos. Die Blechbläser finden nicht sofort die richtige Balance, auch später im Zusammenwirken mit den Sängern. Aber verfängt solche Kritik angesichts einer so stringenten und zugleich sanft-expressiven Linienführung, wie sie im zweiten Satz und dem Epilog des dritten zu hören ist? Streicher und Holzbläser entfalten ein durchsichtiges Kolorit, das bei aller Luftigkeit substanziell bleibt.

Luzider Klangzauber

In den himmlische Sphären evozierenden Passagen von Françaix’ sehr seltener „Apocalypse“ setzt sich das fort. Und hier kommt die ESK (Einstudierung: Marius Mack) ins Spiel. Die nimmt die klangliche Vorgabe des Orchesters genau auf und setzt sie fort. Das Ergebnis: Klangzauber von höchster Luzidität, in den sich Hans Jörg Mammel mit feinem Tenor hervorragend einfügt, bei Vibrato sachlich, aber mit Wärme gestaltend.

Ebenso beeindruckt die punktgenaue Präzision, mit der die Musiker Françaix’ blitzartige Beleuchtungs- und Stimmungswechsel realisieren, so die vom „Himmels-“ zum „Höllenorchester“ aus Saxofonen, Gitarre und Akkordeon. Die Studentenkantorei brilliert in halsbrecherischen syllabischen Partien. Hannes Reich scheut straffe Tempi nicht, doch sind die Ausführenden hellwach und zur Stelle (bei den Instrumental-Registerproben halfen Profis unter anderem des SWR-Orchesters). Nur das Blech macht im sphärischen Schluss keine ganz glückliche Figur.

Bleibt das sehr harmonisch sich einfügende Solistenquartett. Neben Mammels Tenorpart sticht Sebastian Pilgrim mit profundem, kräftigem Bass hervor. Katharina Persicke (Sopran) gestaltet mit weicher, schwebender Nuancierung, feierlich mit Bläsern und Pauke im „Millenium“. Der Part von Hanna Roos (Alt) ist schmal, die Interpretin ihren Kollegen vollauf ebenbürtig.

Gero Schreier