Pressestimmen

„Jauchzet dem Herrn“, Konzert am 25. August 2017 in Oftersheim, Schwetzinger Zeitung, 28. August 2017

Zauberhafte Lobpreisung des Schöpfers

Oftersheim. Ihre Konzertreise führte die Mitglieder der Evangelischen Studentenkantorei Freiburg auch nach Oftersheim. Unter dem Titel „Jauchzet dem Herrn“ gaben Studierende an Freiburger Hochschulen am Freitagabend in der gut gefüllten Christuskirche ein Konzert, das geistliche Kompositionen verschiedener Epochen vereinte.

Das breitgefächerte Repertoire, das von Schütz über Mendelssohn bis Mauersberger, von Monteverdi und Bach bis Pärt und Buchenberg reichte, verlangte von den Sängern ein hohes Maß an Flexibilität. Dem Dirigenten Florian Cramer gelang es jedoch, den Spannungsbogen bis zum Schluss durchzuhalten. Das Konzert begann mit dem Lied „Wie liegt die Stadt so wüst“ von Rudolf Mauersberger (1889 bis 1971). Darin verarbeitete der Komponist das traurige Schicksal der Stadt Dresden, die 1945 durch einen Bombenangriff zerstört wurde. Intensiv war aus dem Gesang Trauer zu hören, Klage, aber auch Zuversicht, dass so etwas nie wieder geschehen darf. Gegen Ende erklang dann Mauersbergers bewegendes „Vater unser“, bei dem die Chormitglieder wie auch im Eingangsstück aufs Schönste zusammenwirkten. Differenziert und glockenrein intonierte der Chor auch all die anderen so unterschiedlichen Gesänge, darunter „Am Neujahrstage“ und „Jauchzet dem Herrn“ von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 bis 1847), „Circumdederunt“ des spanischen Komponisten Cristobal de Morales (1500 bis 1553) oder von Anton Bruckner (1824 bis 1896) „Christus factus est“. Eine fast magische Wirkung entfaltete der Chor mit „Nun bitten wir den Heil’gen Geist“ von Johann Walter (1496 bis 1570), in dem sich der Dirigent zu den Sängern stellte und mit markanter Stimme mitsang.

Beglückend harmonisch
Die Musik von Heinrich Schütz (1585 bis 1672) wie in „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ vermag bis heute das Publikum zu fesseln, besonders wenn sie auf dem Niveau der Studentenkantorei dargebracht wird. Auch in Johann Sebastian Bachs (1685 bis 1750) Choral „Du heilige Brunst“ vereinten die jungen Sänger rhetorische Phrasierung, deutliche Artikulation und musikalische Harmonie auf beglückende Weise. Jede Linie erblühte und atmete natürlich, der Zusammenklang war sorgsam abgestimmt und ausbalanciert. Und das „Cantate Domino“ von Claudio Monteverdi (1567 bis 1643), dessen 450. Geburtstag dieses Jahr begangen wird, erklang flüssig und mit zauberhaftem Klangbewusstsein.

Dass die Tradition der geistlichen Musik mit Namen wie Walter und Monteverdi, Bach und Schütz bis zu Mendelssohn in Verbindung gebracht wird, heißt nicht, dass sie sich nicht weiterentwickelt hat. Auch das zeigte der exquisite, a cappella singende Chor, dass jede Zeit für sich neue musikalische Formen für die Lobpreisung des Schöpfers gefunden hat. So wie der estnische Komponist Arvo Pärt (geboren 1935) in „Nunc dimittis“, einem Lobgesang, den der greise Simeon anstimmt, weil er vor seinem Ableben den Messias im Tempel von Jerusalem erblicken darf. Der Chor gab sich mit solcher Innigkeit dieser zeitgenössischen Komposition hin und steigerte so grandios das lateinische „lumen“ (Licht), dass sie gleichsam mit fast sphärischer Strahlkraft den Kirchenraum füllte. Als meisterlicher Chorkomponist erwies sich auch der 1962 geborene Wolfram Buchenberg, der mit der Vertonung von „Als vil in gote“, einem Text nach Meister Eckhart, einen starken Eindruck hinterließ. Der Chor bewies auch hier, wie abwechslungsreich es mit seinen klanglichen Möglichkeiten umgehen kann, zudem verwob er eindrucksvoll die textlichen und musikalischen Schichten und machte so die spirituelle Dimension eindringlich erfahrbar.

Stehende Ovationen
Zwischen solchen herausragenden Momenten agierten die Instrumentalisten Sebastian Keller und Valentin Huemerlehner. Leuchtende Farben steuerte Keller an der Blockflöte in Jacob van Eycks (1590 – 1657) mit „Pavaen Lachrymae“ bei und Huemerlehner an der Orgel vermochte mit der „Sonate in c-Moll, op. 65,2“ von Mendelssohn Bartholdy zu berühren und zu fesseln. Für dieses wunderbare Klangerlebnis bedankte sich das Publikum am Ende mit begeistertem, stehendem Beifall. Besonders schön zum Schluss die räumliche Wirkung der Zugabe „Der Mond ist aufgegangen“, die durch die Aufteilung der Chormitglieder im gesamten Kirchenraum entstand.

Maria Herlo

 


Lobgesang & Psalm 95 v. Mendelssohn, Konzert am 23. Juli 2017 in Freiburg, Badische Zeitung, 25. Juli 2017

Zum Jubiläum Mendelssohn

Die Studentenkantorei mit dem „Lobgesang“ und Psalm 95.

Ob es die „Kraft der Fluktuation“ ist, wie Wiebke Dornauer, Pfarrerin der Evangelischen Studierendengemeinde, vor dem Konzert vermutet? Oder doch schlicht der unbändige Enthusiasmus der Singenden, der für stetige Qualität sorgt? Die Evangelische Studentenkantorei Freiburg bewältigt jedenfalls seit jeher den konzeptbedingten Personaldurchfluss eines Studierendenchors mit Bravour. Zu ihrem 70. Geburtstag feierte sich die Kantorei unter Leitung von Florian Cramer in der Wiehremer Christuskirche deshalb zu Recht. Dass das Reformationsjubiläum durch Mendelssohns Sinfonie-Kantate „Lobgesang“ op. 52 und den frohlockenden Psalm 95 „Kommt, lasst uns anbeten“ op. 46 gleich mitzelebriert wurde: ein schöner Nebeneffekt.

In letztgenanntem Werk, das irgendwo zwischen Bach-Kantate und Händel-Oratorium wurzelt und den Abend eröffnete, begeistert die wechselseitige Interaktionskultur zwischen Chor und Leiter, aus der sich ein strukturierter, runder Chorsound ergibt: gerade glatt genug, um den ganzen Kirchenraum in einer strahlenden Einheit erblühen zu lassen. Doch stets auch maßvoll heterogen, um das Charakteristische des Einzelnen zu wahren, wie im kanonisch geprägten zweiten Satz besonders deutlich wird.

Historisch informiert: das Ars Viva Ensemble

Dass die Kantorei vom ausgezeichnet besetzten und historisch informierten Ars Viva Ensemble unterstützt wurde, mag dabei nicht geschadet haben. Gerade, da mit Gottfried von der Goltz vom Barockorchester ein formidabler Stimmführer die klanglichen Geschicke mitgestaltete. Die mehrteilige instrumentale Sinfonia, die den klangprächtigen „Lobgesang“ einleitet: unaufdringlich, schnörkellos und doch voller Wärme – auch wenn einige Blecheinwürfe zu herzhaft geraten. Der Gipfelsturm des Chors erfolgt aber a cappella: Im Choral „Nun danket alle Gott“ zeigt sich die volle feierliche Substanz und eine souveräne Intonation ohne große Wackler.

Hochwertig die Soli. Die Sopranistinnen Katharina Persicke und Gudrun Sidonie Otto überzeugen im Duett durch die Mixtur aus vibrierender Dramatik und espritgeladener Beweglichkeit. Hans Jörg Mammels Tenor ertönt versiert und ausdrucksstark, lediglich im Deklamatorischen etwas zu kontrolliert. Ein gelungenes Jubiläum, mit der sich die Kantorei weiter im Kreis der hörenswerten Chöre Freiburgs etabliert.

Fabian Ober

 


Lobgesang & Psalm 95 v. Mendelssohn, Konzert am 22. Juli 2017 in Schopfheim, Markgräfler Tagblatt, 25. Juli 2017

Ein Konzert, das seinesgleichen sucht

Ein Konzert mit erstklassigen Mitwirkenden fand in der evangelischen Stadtkirche statt.

Schopfheim. Die Evangelische Studentenkantorei Freiburg und das „Ars Viva Ensemble“ sind zusammen mit den Solo-Sängerinnen Katharina Persicke und Gudrun Sidonie Otto, mit dem Tenor Hans Jörg Mammel und Dirigent Florian Cramer in Schopfheim und in der nun 125 Jahre evangelischen Stadtkirche keine Unbekannten mehr, da sie schon in mehreren Konzerten ihre musikalischen Qualitäten bewiesen haben.

Das am Wochenende stattgefundene Konzert mit zwei Werken des in Hamburg 1809 geborenen und 1847 in Leipzig gestorbenen Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy bestätigte aufs Neue die Erstklassigkeit aller Mitwirkenden.

Die Studentenkantorei mit ihren über 70 Stimmen und das über 40 Musizierende zählende „Ars Viva Ensemble“ boten die Gewähr für eine Aufführung, die durch die drei Solostimmen ihren Glanz erhielten. Denn die Sopranistin Katharina Persicke hat nach Meisterkursen bei berühmten Sängern in Opernhäusern wie Dresden, Madrid und Bayreuth glänzende Erfolge erzielt.

Die Sopranistin Gudrun Sidonie Otto hat nach Studien in Weimar, Tel Aviv und Basel vor zehn Jahren den ersten Preis in einem internationalen Wettbewerb gewonnen. Ihre Auftritte in deutschen und internationalen Opern- und Konzerthäusern wie Hongkong, Straßburg, Amsterdam, Istanbul und Sydney belegen ihre sängerische Qualität.

Der Tenor Hans Jörg Mammel begann in Stuttgart bei den Hymnus-Chorknaben und ist heute in Berlin, Wien, München, Nantes, Tokio und Warschau zu hören.

Felix Mendelssohn-Bartholdy, der sich schon früh mit den Psalmen des Alten Testaments befasste, schuf die Vertonung des 95. Psalms als Opus 46 im Alter von 29 Jahren. Die Entstehungsgeschichte des Psalms nach der babylonischen Gefangenschaft komponierte Mendelssohn textkonform, indem er sich zahlreicher stilistischer Ausdrucksmittel bediente, die mal die Feierlichkeit oder auch das Dunkle und Klagende betonen. Dazu eigneten sich auch die responsorialen Partien zwischen Solisten und Chor vorzüglich.

Die Sinfonie-Kantate Lobgesang, Opus 52, die Mendelssohn im Alter von 31 Jahren komponiert hatte, wurde zur 400-Jahr-Feier der Erfindung des Buchdrucks am 26. Juni 1840 in der Leipziger Thomaskirche neben Webers Jubel-Ouvertüre und Händels „Dettinger Tedeum“ aufgeführt. Der instrumentale Teil, etwa ein Drittel des Ganzen, mit seinem feierlichen Charakter ist mit seinen punktierten Rhythmen in Händel´scher Manier komponiert und leitet zum Eingangschor der Kantate über. Hier werden die Solostimmen mit deutlicher Akzentuierung dem Chor gegenübergestellt, der schließlich die Sinfonie mit einer groß angelegten Chorfuge schließt.

Dirigent Florian Cramer hatte seine Ensembles in vorbildlicher Weise derart geschult, dass eine Aufführung zustande kam, die ihresgleichen sucht.

Georg Diehl

 


Jauchzet dem Herrn, Konzert am 12. Februar 2017 in Freiburg, Badische Zeitung, 18. Februar 2017

Die Frische von 70 Jahren

Die Studentenkantorei in der Freiburger Christuskirche.

Siebzig Jahre wird die Evangelische Studentenkantorei (ESK) alt und klingt frisch wie eh und je. Bemerkenswert: Vierzehn Jahre jener Zeitspanne steht der Chor nun schon unter der Leitung von Florian Cramer. Dass hier bei aller Fluktuation der Singenden kontinuierlich auf sehr hohem Niveau gearbeitet wird, hört man. Beeindruckend die Feinheit der Klang- und Interpretationskultur: die Reinheit der Intonation, die Durchsichtigkeit und Beweglichkeit des Klangbildes, obwohl der Chor zahlenstark auftritt.

Als die ESK jetzt mit Ausgewähltem aus 500 Jahren Chormusik in Freiburgs Christuskirche zu hören war (nach einem Konzert in Schopfheim), bewunderte man vor allem die meisterhafte Beherrschung der Dynamik: Wie sich die Phrasen runden, Decrescendi in der Kadenzbildung den musikalischen Fluss leicht aufstauen, ohne Künstelei oder Effekthascherei – das zeugt von Können, interpretatorischer Sensibilität und nicht zuletzt von kongenialer musikalischer Vertrautheit zwischen Ensemble und Leiter – der, wie in Johann Walters „Nun bitten wir den heiligen Geist“, keine Scheu hat, sich zu strahlend dahinströmender Renaissance-Polyphonie selbst als Sänger in die Reihen des Chores zu fügen.

Wie sehr der ESK solche Sensibilität in Fleisch und Blut eingegangen sein muss, zeigt ein Stück wie „Wie liegt die Stadt so wüst“ von Rudolf Mauersberger, wo man fast durchweg im sachtesten Piano agiert, seltene Aufgipfelungen aber höchst organisch vor- und abklingen lässt. Gerade deswegen gelingt dieses Stück so eindringlich. Am anderen Ende des Spektrums bewegt sich Anton Bruckners „Christus factus est“: Da werden Extreme zugespitzt, Brüche ohne falsche Beschönigung hingestellt, dass der Spätromantiker schon als ein Moderner erscheint.

Schön das Wechselspiel zwischen den Chor- und Orgelwerken – und schön, dass die von Christoph Bogon, dem Schopfheimer Bezirkskantor und früheren Leiter der ESK beigesteuert werden. Die Rieger-Orgel erklingt in klaren und differenzierten Registrierungen. Bogons gewichtige Improvisation über „Vater unser im Himmelreich“ erinnert an eine alte Tradition der Kirchenmusik. Dass die der ESK noch lange fortdauern möge, wünscht man ihr sehr.

Gero Schreier